Märkische Allgemeine 6. Oktober 2008
180 Gäste auf dem Galm
VERANSTALTUNG Hofkultur zog Besucher aus Nah und Fern an
ZOLLCHOW - 180 Gäste waren gekommen, um bei diesem Event dabei zu sein in der abgeschiedenen ländlichen Idylle des Galms bei Zollchow "Wer hierher kommt, der lässt sich ein auf den Ort und auf die Kunst", sagte die Vereinsvorsitzende Annette Göschel in ihrer Begrüßung und setzte hinzu, dass es ein Entrinnen wie in der Großstadt nicht gebe. Mit Flucht hatten die Gästen, die aus Berlin, Hamburg, Potsdam und dem Havelland angereist waren aber überhaupt nichts im Sinn.
Sie spazierten über den 1760 errichteten und in den letzten Jahren liebevoll restaurierten Dreiseitenhof von Annette und Gerhard Göschel. An Stehtischen, unter Kunstwerken, auf Bänken oder wo auch immer sich Gelegenheit bot, unterhielt man sich und genoss die ganz besondere Stimmung auf dem Hof. "Eine herrliche Atmosphäre", meinte Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger, der ebenso zu den Gästen gehörte, wie Peter Wittstock, Bürgermeister von Milower Land und Hinrich Enderlein, ehemaliger Kultusminister des Landes Brandenburg.
Sie alle konnten vernehmen, wie Annette Göschel sagte, dass sich der von 19 Mitgliedern im August gegründete Verein der zeitgenössischen Kunst und darüber hinaus der Kinder- und Jugendarbeit widmen möchte. Für diese Vorhaben warb man um Mitglieder und Förderer, an diesem stimmungsvollen Herbstnachmittag, der auf dem Galm ganz der Kunst und Kultur gehörte.
Seit 2000 gibt es die Galmer Hofkultur und zu ihr gehört eine Ausstellung. So war es auch am Samstag. In diesem Jahr präsentiert neben dem Hausherren Gerhard Göschel die Potsdamer Malerin Marianne Gielen in der Hofgalerie ihre Werke.
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Marianne Gielen und Gerhard Göschel
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Marianne Gielen, widmet sich der Malerei. Auf dem Galm zeigt sie 30 Bilder, zumeist Werke in Mischtechnik auf Pappe, Acryl auf Leinwand oder Öl auf Leinwand. Titel wie "Am Meer", "Waldsee" oder "Stadt bei Nacht" sind untrügerische Zeichen dafür, dass sie sich in ihrer Kunst mit Phänomenen der Natur und des Alltags beschäftigt. Die Kunsthistorikerin Frauke Mankartz hob die Farbsicherheit und das Zusammenspiel von Linien und Farbflächen in den Werken der Künstlerin hervor.
Dabei handelt es sich allerdings nicht um herkömmliche Landschaftsbilder. Die realistische Abbildung sucht der Betrachter in Gielens Werk vergebens, vielmehr werden mittels Farben Stimmungen transportiert.
Gerhard Göschel bezeichnete die Kunsthistorikerin als einen Künstler, der sich vor allem gesellschaftspolitischen Themen zuwendet. Eine Einschätzung, die die Gäste bei der Betrachtung der 29 ausgestellten Werke bestätigt fanden. "Tag der Diktatursehnsucht", "Tag des Marionettenstaates" oder "Und nun wieder Akteinkurse" tragen die kritisch-ironische Kunstauffassung bereits im Titel. Ein Bild mit Geldscheinen, die ihren Wertverfall zum Ausdruck bringen sollen, ist ein Beispiel dafür. Göschel betrachtet aus der Ruhe des Galms das Weltgeschehen mit kritischem Blick, seine Werke sind Kommentare zur gesellschaftlich-politischen Lage unserer Zeit.
So hielt die Ausstellung viele Gäste für längere Zeit in ihrem Bann, animierte zum Nachdenken und Diskutieren. Doch die Galmer Hofkultur hatte am Samstag in Sachen Kunst noch mehr zu bieten. Gesine Dreyer, Harfe, und David Stomberg, Violoncello, spielten zeitgenössische Werke der ebenfalls zur Hofkultur gekommenen Komponisten Georg Katzer (Zeuthen/Berlin) und Jörg Arnecke (Hamburg).
[Fotos und Artikel von Norbert Stein]
Nachtrag:
Auf ein Wort - Kunst als Ereignis
Markus Kniebeler zu zwei Kulturveranstaltungen am Wochenende
Fast hätte die Zahl der Autoren am Samstag die der Zuhörer übertroffen: Nur eine Hand voll Menschen war zur Poesienacht in die Mühle am Schwedendamm gekommen. Zur gleichen Zeit tummelten sich auf dem Dreiseitenhof des Künstlerpaares Göschel in Zollchow fast 200 Kulturinteressierte. Und das, obwohl ihnen alles andere als leichte Kost geboten wurde. Zeitgenössische Musik und moderne Kunst waren zu erleben. Im Wort "erleben" steckt das Geheimnis des Erfolgs. Die Galmer Hofkultur ist mehr als eine Ausstellung. Sie ist Treffpunkt, Gesellschaftsereignis, Fest und Kunstschau in einem. Sie ist, um es neudeutsch zu sagen: Ein Event. Nun kann nicht jede Lesung, jedes Konzert so aufgezogen werden wie die Hofkultur. Gleichwohl zeigt die Zollchower Veranstaltung, dass es auch in der havelländischen Provinz sehr wohl ein Interesse an Kuturereignissen mit einem gewissen Anspruch gibt. Es muss nicht immer Operette sein oder Volksmusik. Wichtig ist, dass man den Menschen die Angst vor der Hochkultur nimmt. Dass man ihnen zeigt, wie spannende moderne Kunst ist und das Gespräch darüber. Wer nicht weiß, wie man die Menschen begeistert, der setze sich mit den Organisatoren der Hofkultur zusammen. Von denen ist einiges zu lernen.
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