"Gerhard Göschel ist als bildender Künstler oft von Bewegung inspiriert - in seinen kinetischen Projekten, in Außenskulpturen, die vom Wind leicht in Schwingung versetzt werden, in seiner Installation "Jäten im Paradies", in der das Licht eine Illusion von Bewegung erzeugt. In meinem Stück "Wasserkreisel", das als Auftrag des Brandenburger Theaters zu seiner Ausstellung in Brandenburg entstand, wird diese Bewegung in ein anderes Medium übertragen: Das Wasser kreiselt und kräuselt sich, es fließt über vierteltönige Intervalle und abgestufte Klangfarben, es scheint zu versiegen und klingt doch untergründig weiter. Ein kleiner Springbrunnen für Streichquartett, in geschwungenen Formen komponiert für Annette und Gerhard Göschel."
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"'Jäten im Paradies' ich will und kann hier niemandem das
Nachdenken über diese Licht-Bild-Ton-Material-Installation
abnehmen. Schauen, hören Sie selbst ...
Trotzdem: Jäten im Paradies? Was denn? Ein Paradies ist
paradiesisch, im Garten Eden wächst kein Unkraut. Oder
wuchert es doch und wir sehen es erst, wenn die Frucht vom
Baum der Erkenntnis gepflückt ist? Öffnen Sündenfälle
unsere Augen für die nackten Tatsachen? Oder ist es
umgekehrt? Müssen wir fällen, abschneiden, weghacken,
damit unsere Welt bleiben kann, was sie ist: nicht die beste
aller Welten, aber immerhin eine verbesserbare und sowieso
die einzige, die wir haben?
Gerhard Göschel liefert keine Rettungsrezepte. Aber er
äußert sich unmissverständlich darüber, was dieser Planet
nicht braucht. 'Platzhirsche', die sich goldene Nasen verdienen,
zum Beispiel.
Er malt sie aber auch, die mächtig mächtigen Bescheidsager.
Er malt sie in Reihe hinter einem Abendmahlskonferenztisch
à la Leonardo da Vinci, an dem sie gesichtslos 'Tabula rasa'
machen. Das Bild hängt in der Hamburger Hauptverwaltung
der Techniker Krankenkasse. Vorstandsetagenkunst ist es
nicht!
Diese Gattung verlangt nach schlechten Beobachtern und
noch schlechteren Prognostikern. Gerhard Göschel guckt
genau hin und vermag verblüffend zu antizipieren. Zum
Beweis: Die Finanzkrise war 2009, seine Arbeit 'Und nun
wieder Aktienkurse' datiert aus dem Jahr 2001.
Doch seine vielleicht schonungsloseste Stellungnahme
zu den Verhältnissen, die nicht so sind, wie sie sein könnten,
dürften die 'Mündigen Bürger' von 1993 sein. Denen fehlt
zum Mündigsein vor allem eines: der Mund! Sie haben
Nasen, mit denen sie den Braten womöglich noch riechen,
aber wiederum keine Augen und Ohren, Wozu auch, ihre
Köpfe sind verkabelt, was die Steuerung erheblich vereinfacht.
Es ist ein Paradoxon, aber bei Werken wie den gerade
aufgezählten, werfen die Schatten Lichter auf unser gegenwärtiges
Dasein."